Blogeintrag

#Einwurf Ich musste erstmal weinen

In der heutigen Ausgabe der Serie #Einwurf haben wir nicht nur unsere bisher jüngste Interviewpartnerin zu Gast, sondern müssen zeitgleich auch Abschied nehmen. Anna-Martha Oppenberger ist 15 Jahre, die Tochter von Vize-Präsident Chris Oppenberger und hat unseren Verein gerade in Richtung Wacker Nordhausen bzw. RB Leipzig verlassen.

Anna-Martha, wie bist du eigentlich zum Fußballspielen gekommen? Wenn ich mich recht entsinne, warst du ja auch eine gute Leichtathletin.

Die LSG „Aufbau“ Sundhausen hatte einen Kooperationsvertrag mit dem Kindergarten. Unter Jürgen Kögler kam ich so das erste Mal mit Fußball als Spielerin selbst in Kontakt. Nach ein paar Wochen wollte ich allerdings nur noch spielen und nicht mehr trainieren und so habe ich dann erstmal aufgehört. Da standen dann Leichtathletik und auch Turnen an erster Stelle. Irgendwann hat mir das aber keinen richtigen Spaß mehr gemacht und ich habe wieder aufgehört. Irgendwann hatte mein Papa dann ein Spiel in Bielen, wo ich nebenbei mit den Jungs ein bisschen gekickt habe und mich direkt gut mit ihnen verstand. Als ich gefragt wurde, ob ich nicht beim SV Bielen anfangen möchte, habe ich nicht lange gezögert – 2011 war das, glaube ich. Dazu kommt einfach, dass meine ganze Familie fußballverrückt ist.

Hattest du in deiner bisherigen Karriere besonders prägende Erlebnisse?

Ja, es hatte mich hart getroffen, dass ich nicht mehr in die Thüringenauswahl berufen wurde. Besonders positiv hingegen war, dass ich in der vergangenen Saison Kapitänin der U14-Mannschaft von Wacker Nordhausen geworden bin. Dass mir der Trainer als einziges Mädchen das Vertrauen geschenkt hatte, war schon etwas ganz Besonderes für mich. Am Ende hat es ja auch geklappt und wir sind Erster in unserer Staffel geworden.

An welche Erfolge erinnerst du dich besonders gern zurück beziehungsweise, welche Erfolge bedeuten dir persönlich am meisten?

(überlegt) Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich glaube, das wichtigste Erlebnis war für mich die Teilnahme am Länderpokal mit der Thüringenauswahl.

RB Leipzig ist ja bekannt für seine sehr gute Jugendarbeit. Wie ist der Kontakt zum Bundesligisten der Männer und Regionalligisten der Frauen zu Stande gekommen?

Ich habe ehrlich gesagt schon immer ein wenig ein Auge auf RB geworfen. Meine Mutter hat dann in Leipzig ein Banner gesehen, dass wieder eine Kaderschmiede durchgeführt wird. Also habe ich mich dort beworben. Anfangs dachte ich, dass ich nicht angenommen wurde, weil die Einladung erst sehr spät kam. Als sie dann doch da war, bin ich erstmal total ausgerastet. Es war für mich schon ein unglaubliches Privileg, überhaupt eine Einladung bekommen zu haben. Als ich dann auch noch zum Probetraining eingeladen wurde, musste ich erstmal weinen und als man mir sagte, dass ich angenommen wurde, konnte ich nicht glauben, dass das wirklich wahr ist. Von über 4.500 Bewerberinnen in allen Jahrgängen wurden am Ende vielleicht so 20 genommen und ich war dabei.

Wie war dein Start bei RB? Wie wurdest du beim neuen Verein aufgenommen?

Vor dem ersten Training hatte ich richtig große Angst. Aber als ich ankam, wurde ich gleich von den anderen Spielerinnen umarmt. Sie haben mich gefragt, woher ich komme, wo ich vorher so gespielt habe und wie ich zu RB gekommen bin. Ich habe ziemlich schnell einen festen Platz in der Mannschaft gefunden und verstehe mich auch mit allen Spielerinnen gut. Auch die Trainer sind sehr freundlich und behandeln uns alle gleich. Ich hatte nie das Gefühl „die Neue“ zu sein. Sehr gut fand ich auch, dass es gleich zu Beginn ein Teamevent gab. Da hat man sich eben gleich auch besser kennengelernt.

Hand aufs Herz: Welcher Trainer hat dich am meisten weitergebracht?

Ehrlich gesagt: Alle (lacht). Das ist zwar klischeehaft, aber jeder einzelne hat einen Teil dazu beigetragen, mich ein Stück besser zu machen. Alle sind auf meine Fähigkeiten eingegangen und haben versucht, diese weiterzuentwickeln. Sehr geholfen hat mir auch, dass ich öfter mit HaJo Duwen bei den Wacker Oldies zusammen gekickt habe.

Wer sind deine Vorbilder?

Das ist eine schwere Frage. Ich mag Anja Mittag sehr, auch wenn sie schon etwas älter ist. Ihre Spielweise ist schon beeindruckend. Auch Dszenifer Maroszán gefällt mir gut.

Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Für dieses Jahr möchte ich in die Startelf der U17-Juniorinnen kommen und auch komplett durchspielen. Das soll nächstes Jahr natürlich genauso sein. Langfristig möchte ich es in die Frauenmannschaft von RB schaffen und ihnen dabei helfen, in die Bundesliga aufzusteigen. Fußball hat gerade den vollen Fokus. Außersportlich möchte ich aber auf jeden Fall mein Abitur abschließen. Der Rest ist da noch offen.

Und was ist deine Lieblingsposition?

Eigentlich das rechte und linke Mittelfeld. Obwohl ich im linken Mittelfeld am Anfang einige Probleme hatte, spiele ich das jetzt sogar lieber. Da ist mir zuletzt ja auch ein Tor für RB im Testspiel gelungen.

Last but not least: Was ist dein Lebensmotto?

Mein Motto ist von Bertolt Brecht: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für deine Zukunft, AMO!

 

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Fotos: Fanpage U17 Juniorinnen

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